Die Psychologie des Lernens

Prozedurales Lernen und semantische Elaboration – wenn du beim Tun plötzlich merkst, warum es funktioniert

Zwei lachende Teilnehmer bei einer praktischen Hypnoseübung im Seminarraum

Wir können Fakten auswendig lernen, Regeln büffeln, Zusammenhänge erklärt bekommen und Fachwissen aufnehmen. Natürlich ist das wichtig.

Dennoch lernen wir einen großen Teil der Dinge, die wir heute wie selbstverständlich beherrschen, durch Erleben, Ausprobieren, Wiederholen und die sich daraus ergebenden eigenen Erkenntnisse.

Und das hast du schon als kleines Kind gemacht, als du noch keine Fachbücher lesen konntest und noch nicht mal wusstest, was „Lernen“ überhaupt bedeutet. Du hast einfach in kürzester Zeit eine gigantische Menge gelernt – durchs Machen und Erleben. Welcher Bauklotz passt durch welche Öffnung? Was passiert, wenn ich etwas über die Tischkante schiebe?

Und vielleicht hast auch du versucht, diesen Waschhandschuh mit Wasser zu füllen und dabei ganz nebenbei etwas über die Permeabilität von Geweben gelernt – ohne das Wort jemals gehört zu haben. Dass das bei Muttis Stoffeinkaufsbeutel genauso funktioniert, war dir damit automatisch klar.

Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, auf diese Art extrem schnell und nachhaltig zu lernen. Es bekommt beim Handeln ständig Rückmeldung: Das habe ich erwartet – das ist passiert. Das funktioniert – das funktioniert nicht.

Beim prozeduralen Lernen entsteht durch eigenes Handeln, eigene Erkenntnisse und Wiederholungen schnell selbstverständliches Können.

Learning by Doing. Ich weiß, klingt abgedroschen. Vielleicht, weil wir es täglich erleben. Denk zum Beispiel mal ans Fahrradfahren.

Wenn du heute Fahrrad fährst, musst du noch bewusst abrufen, wie das eigentlich geht? Vermutlich nicht. Du steigst auf und fährst los.

Dabei ist Fahrradfahren verdammt kompliziert. Du hältst das Gleichgewicht, lenkst, trittst, bremst, reagierst auf den Untergrund, schätzt Geschwindigkeit und Kurven ein und bedienst vielleicht noch nebenbei eine Gangschaltung.

Und das alles, ohne dass du vorher physikalische Abhandlungen über Schwerpunktverlagerung, Übersetzungsverhältnisse von Zahnrädern oder Aerodynamik studiert hast.

Vielleicht hat dich am Anfang jemand festgehalten. Vielleicht hattest du Stützräder. Vielleicht hieß es einfach: „Weiter treten. Nach vorne gucken. Weniger doll lenken.“

Und dann bist du gefahren. Ein paar Meter, gewackelt, Fuß runter, noch mal. Irgendwann konntest du es.

Und ganz nebenbei hast du eine Menge verstanden.

Du hast geschaltet und gemerkt: So wird das Treten leichter. So wird es schwerer. So komme ich besser den Berg hoch. So kann ich schneller fahren.

Vielleicht hast du am Berg einmal in die falsche Richtung geschaltet. Sehr lehrreich.

Unser Gehirn bekommt permanent sensomotorische Rückmeldungen: Wir tun etwas, spüren die Wirkung und passen unsere Handlung entsprechend an. Wieder und wieder.

Und wenn du später physikalische Erklärungen zu Übersetzungsverhältnissen, Schwerpunktverlagerung oder Aerodynamik bekommen hast, kam oft nur noch der Aha-Effekt dazu: Ja, logisch. Denn verstanden hattest du das Prinzip längst – beim Fahrradfahren.

Innerhalb dieser Dynamik stellen wir uns Fragen, die wir uns oft schon beim Formulieren selbst beantworten: „Warum ist genau das passiert?“, „Was könnte ich anders machen?“ oder „Warum hat es diesmal besser funktioniert?“

Mit zunehmendem Verständnis sinkt dabei ganz automatisch die kognitive Belastung. Wie damals, als wir irgendwann die Logik des Multiplizierens verstanden haben.

Vielleicht musstest ja auch du in der Grundschule die Malfolgen eine nach der anderen auswendig lernen. Als du gerade die Fünferreihe gelernt hattest, konntest du ganz hervorragend sagen: 5 × 8 = 40.

Aber 8 × 5? Keine Ahnung. Die Achterreihe hattest du ja noch nicht gelernt.

Klingt mittlerweile albern, oder? Denn du hast mittlerweile die Logik des Multiplizierens verstanden. Durch semantische Elaboration hast du die einzelnen Fakten in ein kognitives Schema eingebettet, in dem das zugrunde liegende Multiplikationsprinzip repräsentiert ist. 5 × 8 und 8 × 5 sind für dich keine zwei isolierten Aufgaben mehr, sondern Anwendungen desselben Prinzips – und nach dem Kommutativgesetz haben sie sogar dasselbe Ergebnis.

Genau auf diese selbstverständliche Art und Weise, wie vielleicht auch du Fahrradfahren und Multiplizieren gelernt hast und dabei ganz nebenbei physikalische Gesetzmäßigkeiten verstanden und kognitive Schemata aufgebaut hast, lernst du in deinem Seminar Hypnotisieren.

Du lernst Hypnospathie und den Nautilus-Code – beide nutzen ebenfalls den Effekt des prozeduralen Lernens. Dadurch werden sie für dich verständlich, logisch und sicher anwendbar. Und in der Anwendung unterstützt der Nautilus-Code deinen Klienten dabei, seine eigene Veränderung ebenso erstaunlich schnell, effektiv und nachhaltig zu bewirken.

Auch ich habe das Hypnotisieren und später das Ausbilden auf diese Art gelernt. Ich habe einfach so gearbeitet und ausgebildet, weil es für mich selbstverständlich war. Und später kamen die Aha-Effekte dazu: Plötzlich ließen sich viele dieser Erfahrungen mit psychologisch bekannten Phänomenen und Lernmechanismen benennen.

Und da du es bei mir auf dieselbe Art lernst, wirst du später auch mit deinen Klienten nach demselben Prinzip arbeiten: so viel erklären wie nötig und so wenig kognitive Belastung wie möglich erzeugen. Und so werden es sowohl du als auch deine Klienten als angenehm, selbstverständlich und effektiv erleben.

Und genau deshalb kannst du am Nachmittag des ersten Seminartages schon deine erste vollständige Hypnosesitzung führen.

Und am nächsten Tag ist vieles, was am Vortag noch bewusstes deklaratives Wissen war, bereits prozedural verfügbar und selbstverständlich geworden. So entsteht wieder Platz für die nächste Information, die nächste Sitzung, das nächste Feedback.

Wissen – erleben – verstehen – wiederholen – selbstverständliches Können.

Aus Methodenwissen entsteht Handlungskompetenz. Und aus Handlungskompetenz ein immer tieferes Verständnis der Methode.

Und überraschend schnell wendest du die Methode nicht mehr nur bewusst an – du lebst sie.

Vielleicht kennst du das aus deinem Alltag: Du könntest versuchen, dich auf tausend Varianten vorzubereiten, wie ein bevorstehendes Ereignis verlaufen könnte. Und natürlich ist die Wahrscheinlichkeit verdammt hoch, dass am Ende Variante 1001 passiert.

Und auch die managst du irgendwie. Na klar – du hast ja Lebenskompetenz. Du musst nicht jede denkbare Situation vorher schon einmal erlebt haben, um mit ihr umgehen zu können.

Genauso wie du nicht das Ergebnis jeder potenziellen Multiplikationsaufgabe auswendig gelernt hast, sondern irgendwann einfach verstanden hast, wie Multiplizieren funktioniert.

Und beim Hypnotisieren ist es genauso. Du entwickelst im Seminar Hypnotiseurkompetenz: Du verstehst die Logik, kannst sie anwenden und auf neue – auch unerwartete – Situationen übertragen.

Und genauso sicher wirst du hypnotisieren.

Ein Kind lernt Fahrradfahren, fährt später selbst sicher und bringt es als Erwachsene dem eigenen Kind bei
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Zwei Formulierungen. Ein Prinzip.

Ob du dann als Hypnotiseur psychologische Fachbegriffe verwendest oder andere Formulierungen, ist irrelevant. Entscheidend ist nur, dass du verstanden hast, was du tust – und es deinem Gegenüber immer so erklärst, wie es für euch beide am besten passt.

In deinem Seminar bekommst du genauso viele Erklärungen, wie du brauchst, um ins Tun zu kommen und dadurch immer mehr zu verstehen.

So ähnlich wie damals beim Waschhandschuh: Das Grundprinzip hattest du längst verstanden. Dir war klar, dass sich Wasser mit Muttis Stoffeinkaufsbeutel genauso „gut“ transportieren lässt. Auch wenn du vielleicht bis heute nicht wusstest, dass der Fachbegriff dafür „Permeabilität des Gewebes“ lautet.

Ich freue mich auf dich.

Katrin
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