Gute Frage. Da gibt es wahrscheinlich sehr unterschiedliche Auffassungen, wenn man sich auf dem Markt so umschaut. In meiner Welt sieht das wie folgt aus:
Die Hypnose-Methode ist im Grunde das Werkzeug.
Und damit könnte man die Frage auch anders stellen: Wie viel Werkzeug braucht eigentlich ein guter Handwerker? Kann man auch nicht pauschal beantworten, oder? Aber es lässt sich ziemlich gut an einem Beispiel erklären, wie das in meiner Welt so aussieht.
Stell dir mal vor, jemand möchte zum ersten Mal in seinem Leben einen Nagel in die Wand schlagen. Hat er noch nie gemacht. Aber schon oft genug bei anderen gesehen. Sieht ja auch nicht besonders kompliziert aus. Nagel festhalten. Hammer nehmen. Ausholen. Zack.
Also los. Nagel an die Wand. Hammer in die Hand. Ausholen – daneben.
Okay. Die anderen machen das doch auch so. Also noch mal. Nagel festhalten. Ausholen. Zack. Wieder daneben. Noch mal. Jetzt trifft er zwar irgendwas – aber hauptsächlich seinen Daumen. Der Nagel hängt schief. Und die Wand sieht mittlerweile auch nicht mehr ganz so glücklich aus.
Na toll. Er probiert noch ein bisschen herum, dann reicht es ihm. Hammer weg. Nagel weg.
„Vielleicht ist Nägeleinschlagen einfach nichts für mich.“ Oder vielleicht hat er auch einfach nicht das richtige Werkzeug. Wer weiß. Jedenfalls ist das Thema erst einmal erledigt.
Bis er irgendwann jemanden sieht, der Nägel einschlägt. Und zwar richtig.
Der hat einen furchtbar teuren, schicken Zimmermannshammer in der Hand. So ein Ding, das schon nach Profi aussieht.
Und dann: Pam. Pam. Pam. Ein Nagel nach dem anderen. Mit ein, zwei lockeren Bewegungen aus dem Handgelenk. Akkurat. Präzise. Kein Rumgehacke. Kein krummer Nagel. Kein blauer Daumen. Das sieht sensationell aus.
Und unser gescheiterter Heimwerker denkt: Ach guck. Kein Wunder, dass das bei mir nicht funktioniert hat. Guck dir mal seinen Hammer an. Der sieht ja völlig anders aus als meiner. Ich hatte einfach das falsche Werkzeug.
Na dann. Vielleicht ist Nägeleinschlagen doch etwas für ihn. Er braucht nur endlich einen vernünftigen Hammer.
Also geht er los. Und landet beim Hammerverkäufer. Da liegt das gute Stück. Hochglanzpoliert. Schön präsentiert. Und in diesem Ladenlicht sieht der Hammer irgendwie noch professioneller aus als vorher.
Der Hammerverkäufer erklärt ihm natürlich ausführlich, was er da vor sich hat. Wie hervorragend dieser Hammer ausbalanciert ist. Wie gut er in der Hand liegt. Welche besonderen Eigenschaften er besitzt. Für welche Tätigkeiten er besonders geeignet ist. Worauf man bei genau diesem Modell achten muss. Und was man damit alles Tolles machen kann.
Aber der Hammerverkäufer erzählt natürlich nicht nur. Er führt das Ding auch vor. Da steht ein Brett. Perfekte Arbeitshöhe. Der Hammerverkäufer setzt an. Pam. Pam. Pam. Pam. Ein Nagel nach dem anderen. Akkurat drin. Sieht genauso sensationell aus wie bei dem Handwerker, den unser Anfänger vorher beobachtet hat.
Also darf er den Hammer natürlich auch einmal selbst in die Hand nehmen. Mal fühlen. Ein bisschen schwingen. Oh ja. Liegt gut in der Hand. Ganz anders als sein alter Hammer.
Und dann sagt der Hammerverkäufer: „Hier. Probier mal.“
Vor ihm liegt das Brett. Direkt in angenehmer Arbeitshöhe. Der Nagel steckt schon halb drin.
Unser angehender Handwerker nimmt Maß. Holt aus. Pam. Nagel drin. Geil.
Ha, na bitte! Das ist der richtige Hammer. Klar nimmt er den Hammer.
Also geht er damit nach Hause in seine Altbauwohnung. Stellt sich vor seine Wand. Schnappt sich einen Nagel und seinen neuen, sündhaft teuren, hervorragend ausbalancierten Zimmermannshammer.
Hat ja eben funktioniert. Nagel ansetzen. Ausholen. Zack. Daneben.
Okay. Noch mal. Zack. Nagel schief. Noch mal. Jetzt ist wieder ein Loch in der Wand, wo überhaupt keins hingehört. Noch mal.
Shit. Und irgendwann erwischt es natürlich auch wieder den Daumen.
Was soll denn das jetzt? Im Laden hat es doch funktioniert. Er probiert noch ein bisschen. Es wird nicht besser.
Also legt er irgendwann auch den neuen Hammer weg.
Na toll. War wohl doch nicht das richtige Werkzeug. Vielleicht braucht er etwas anderes.
Und irgendwann sieht er wieder jemanden, der Nägel in die Wand haut, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Nur hat der keinen Zimmermannshammer. Der hat ein völlig anderes Modell.
Ein Schlag. Nagel drin. Nächster Nagel. Pam. Drin. Boah. Vielleicht ist das der Hammer.
Also geht es zum nächsten Hammerverkäufer.
Und auch dort: die Erklärung, warum genau dieser Hammer so besonders ist. Die Vorführung. Das vorbereitete Brett. „Probier mal.“ Pam. Drin. Großartig. Vielleicht ist es wirklich dieser Hammer.
Also nimmt er auch den mit. Geht nach Hause in seine Altbauwohnung. Stellt sich vor seine Wand. Und irgendwie sieht die Sache nach kurzer Zeit wieder ziemlich ähnlich aus wie vorher. Na gut. Dann war es eben auch dieser Hammer nicht.
Und so geht das weiter. Nächster Hammer. Nächster Hammerverkäufer. Nächste Erklärung. Nächste beeindruckende Vorführung. Nächstes vorbereitetes Brett. Nächster halb eingeschlagener Nagel.
Und immer wieder dieses schöne Erlebnis: Pam. Siehst du? Geht doch.
Bis unser angehender Handwerker irgendwann eine ziemlich beeindruckende Sammlung von Hämmern besitzt. Einen für diese Aufgabe. Einen für jene. Einen besonders ergonomischen. Einen besonders präzisen. Einen Spezialhammer für besonders schwierige Fälle. Und wahrscheinlich noch drei weitere, deren genaue Funktion man erst einmal nachschlagen müsste.
Er weiß inzwischen auch eine ganze Menge über Hämmer. Er kann dir erklären, welcher wie ausbalanciert ist, welcher für welche Aufgabe entwickelt wurde – und warum Hammer Nummer sieben etwas völlig anderes kann als Hammer Nummer drei.
Nur zu Hause vor seiner Altbauwand sieht die Sache immer noch erstaunlich ähnlich aus wie ganz am Anfang.
Also kauft er irgendwann den nächsten Hammer. Wieder ein richtig schönes Teil. Hervorragend ausbalanciert. Liegt fantastisch in der Hand. Natürlich auch für besonders anspruchsvolle Nägel geeignet. Vielleicht ist es ja diesmal endlich der richtige.
Er bezahlt. Der Hammerverkäufer packt ihm das gute Stück ein.
„Na dann. Viel Spaß damit.“ „Danke. Ich hoffe, dass der dann zu Hause auch funktioniert und mir endlich die Nägel in die Wand schlägt.“
Der Verkäufer hält kurz inne. „Wie bitte?“
„Na ja. Ich hoffe, dass der Hammer zu Hause auch so funktioniert.“
„Moment mal. Der Hammer schlägt dir doch keine Nägel in die Wand. Das musst du schon machen.“
„Ja, aber irgendwie funktioniert das bei mir nie.“
Der Verkäufer guckt ihn an. „Warte mal. Wie machst du das denn?“ „Na, wie macht man das halt?“ „Zeig mal.“
Also packt unser Heimwerker seinen gerade gekauften Hammer wieder aus. Nimmt einen Nagel. Und greift den Hammer direkt hinterm Kopf.
Der Verkäufer guckt sich das ungefähr zwei Sekunden an. „Okay. Ich glaube, wir haben dein Problem gefunden.“
Denn unser Heimwerker hatte irgendwann beschlossen, dass es wahrscheinlich besonders sicher ist, den Hammer möglichst weit oben anzufassen. Nur vernünftig hämmern kann man so halt nicht.
Also zeigt ihm der Verkäufer, wie er den Hammer hält. Wie er ihn führt. Wie er ausholt. Wohin er schaut. Wie er den Nagel ansetzt.
Er führt ihm noch einmal die Hand. Dann lässt er ihn selbst machen.
Nicht einmal. Noch mal. Und noch mal.
Und vor allem genau so, wie unser Heimwerker es eigentlich braucht: Vor sich an der Wand. Nagel ansetzen. Ausholen. Pam. Noch mal. Pam.
Und das Verrückte ist: Es dauert gar nicht besonders lange.
Nach zehn Minuten hat er den Dreh raus. Nagel ansetzen. Ausholen. Pam. Drin. Noch einer. Pam. Drin.
Ach. So geht das.
Und plötzlich kann er hämmern.
Und jetzt kann er zum ersten Mal wirklich beurteilen, was er da eigentlich alles gekauft hat.
Jetzt merkt er, welcher Hammer gut in seiner Hand liegt. Welcher ihm die Arbeit leichter macht. Welcher für eine bestimmte Aufgabe tatsächlich sinnvoll ist. Welcher zwar ein fantastisches Werkzeug ist – aber überhaupt nicht für das, was er damit machen möchte. Und welchen er eigentlich gleich wieder aussortieren kann.
Vielleicht war dieser sensationelle Spezialhammer für den Zimmermann tatsächlich ein fantastisches Werkzeug. Nur eben nicht für ihn und seine Altbauwand.
Jetzt kann er das beurteilen. Weil er hämmern kann.
Denn erst wenn er das Handwerk beherrscht, kann er beurteilen, welches Werkzeug für ihn und seine Arbeit das richtige ist.
Und wenn es sein muss, bekommt er jetzt wahrscheinlich sogar mit einem alten Holzschlappen einen Nagel in die Wand.
Was stellen wir also fest?
Das Werkzeug macht nicht den Job. Den Job macht derjenige, der es bedient.
Und genauso ist es mit der Hypnosemethode. Ein Zertifikat über eine Methode macht noch lange keinen guten Hypnotiseur.
Ja, und wie viel Hypnoseausbildung braucht man also?
Ungefähr genauso viele, bis du den „Hammerverkäufer“ triffst, der dir das Hämmern beibringt, statt dir nur einen Hammer zu verkaufen.
Hypnotisieren lernst du beim Hypnotisieren.
Weil Methode allein nicht reicht, wenn du sie nicht beherrschst.
Bei mir lernst du das Handwerk. Bei mir wirst du Hypnotiseur.




